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PreisträgerInnen des Förderpreises


Preisträgerin 2009 - Manuela Kerer

Manuela Kerer (Foto: Hartmut Prünster)

Mit der Vergabe des Förderpreises der Walther-von-der-Vogelweide-Stiftung an Manuela Kerer wird das hervorragende Schaffen einer jungen, vielseitig begabten Komponistin und Psychologin gewürdigt.

Manuela Kerers kompositorisches Werk zeichnet sich durch reizvolle Klangwirkungen aus, die durch elektronische Verfremdungen und Zuspielungen vom Band in ihrer Wirkung noch gesteigert werden. Manuela Kerer hat eine überaus lebendige Phantasie und besitzt das notwendige handwerkliche Rüstzeug, aber auch den Mut, ihre Ideen präzise umzusetzen. Es gelingen ihr in Struktur und Klang eigenständige Werke, die die Chiffren der Moderne atmen, welche sie immer wieder hinterfragt und mit enormem Tempo durcheinanderwirbelt. So entstehen überraschende, witzige Kompositionen, die in einer sehr modernen Klangsprache berückend schön sind: Es gibt Anklänge an die Gregorianik, es gibt Jodler, und dennoch wirken die Werke wie aus einem Guss. Es geht um die Musen, um Gedanken- und Ausdrucksfreiheit, es geht um Humor und tiefen Ernst.

In der Welt der Musik findet Manuela Kerer ihre Identifikation und ihre Beheimatung. Von dort schlägt sie bravourös Brücken zur Psychologie und der Psychiatrie, zu den Neurowissenschaften und zur Jurisprudenz: In der Tat ist Manuela Kerer von zwei Dingen fasziniert, von der Musik und dem Gehirn. Und so gelingt es ihr immer, scheinbar Konträres zu verbinden und Gegensätzliches zu versöhnen. Als Komponistin und Juristin vertont sie Gesetze aus dem italienischen Strafgesetzbuch und widmet eine tiefschürfende Studie der Entwicklung des Urheberrechtes für Musik im kaiserlichen Österreich-Ungarn.

Als Musikbegeisterte und neuropsychologisch wie neurowissenschaftlich Interessierte bearbeitet sie die hochinteressante Frage, wie das musikalische Gedächtnis selbst bei Menschen mit dementiellen Symptomen intakt bleibt und wie das Musikverständnis diagnostisch wie therapeutisch eingesetzt werden kann. So gelingt es der Komponistin, deren Energie und deren Fröhlichkeit, deren Neugierde und deren Kreativität ansteckend sind, den Menschen einerseits Freude, Humor und Gelassenheit zu vermitteln, andererseits auch das Licht neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse im Dunkel gestörter Hirnprozesse aufleuchten zu lassen. Die Kunst ist für Manuela Kerer, wie Nikolaus Harnoncourt schreibt, keine hübsche Zuwaage, sie ist die Nabelschnur, die sie und uns mit den Mitmenschen, der Welt und dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Menschsein, solange sie im Zentrum unseres Lebens steht.

(Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber in seiner Laudatio)

 

 

Manuela Kerer, geboren 1980 in Brixen, hat sich trotz Ihres jungen Alters als Komponistin bereits einen Namen weit über die Südtiroler Landesgrenzen hinaus gemacht. In ihren avantgardistischen Kompositionen, die im Bereich der E-Musik anzusiedeln sind, jongliert sie mit unterschiedlichsten Tönen und Klängen, die uns umgeben, nutzt als kreatives Ausgangsmaterial zuweilen Unkonventionelles wie z. B. Sätze aus dem italienischen Strafgesetzbuch, und legt auch bei der Wahl der Aufführungsorte viel Phantasie an den Tag. Manuela Kerer selbst bezeichnet ihr Werk als „schräg“, was ihr auch die Kritik bescheinigt, aber durchwegs im positiven Sinne des Wortes. 

Manuela Kerer schuf Kompositionen für das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck, für den ORF, für die Schwazer Klangspuren, das Festival zeitgenössischer Musik in Südtirol, die Passion Grizens oder für das Schönberg-Center in Wien. Sie schloss das Kompositionsstudium am Landeskonservatorium in Innsbruck 2007 mit Auszeichnung ab, erhielt im selben Jahr das „Höchstbegabtenstipendium“ des Rotary Clubs Innsbruck und bekam 2008 das Österreichische Staatsstipendium in Komposition zuerkannt. 

Manuela Kerer ist nicht zuletzt auch ein Multitalent. Bereits 2004 hat sie das Violinstudium am Innsbrucker Landeskonservatorium und ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck abgeschlossen. Ein Jahr später erfolgte der Abschluss eines Psychologiestudiums, ebenfalls an der Universität Innsbruck. Derzeit arbeitet Kerer an einer Dissertation im Bereich Psychiatrie und an einer zweiten über die „Entwicklung der Rechte der Komponisten“ im Bereich Rechtswissenschaften. 

Der Förderpreis möge der jungen Künstlerin Anerkennung für das bisher Geleistete und Ansporn für eine vielversprechende weitere Karriere sein.

 



PreisträgerInnen seit 1968

2009: Manuela Kerer

2007: Sabine Gruber

2006: Christine Roilo

2004: Rut Bernardi

2001: Eduard Demetz

1999: Paul Videsott

1997: Carl Kraus

1995: Robert Bosisio

1994: Erika Kustatscher

1993: Leo Andergassen

1992: Carmen Tartarotti

1991: Günther Niederwanger

1990: Carmen Müller

1988: Hannes Obermair

1987: Mercedes Blaas

1986: Konrad Rabensteiner

1985: Elmar Waibl

1983: Sepp Haller

1982: Gottfried Oberthaler

1981: Guido Anton Muss

1980: Lois Craffonara

1979: Karl Gruber

1978: Arbeitskreis für Literatur im Südtiroler Künstlerbund

1977: Reimo Lunz

1976: Hans Griesmair

1974: Arbeitskreis Brunnenburg

1973: Peter Ortner

1972: Arbeitskreis für Umweltgestaltung

1971: Egon Kühebacher

1970: Herbert Paulmichl

1968: Luis Stefan Stecher


 

Mwst.-Nr.: 01165570217