Die im Gründungsjahr 1954 ins Leben gerufenen „Meraner Hochschulwochen zur Pflege europäischen Denkens“, die jeweils im September stattfanden, waren die erste bedeutende Veranstaltungsreihe, mit der das Institut an die Öffentlichkeit trat. Vor allem in Italien studierende Südtiroler Hochschüler waren hiefür die wichtigste Zielgruppe. Studentinnen und Studenten hatten Gelegenheit, prominente Denker, Wissenschaftler, Dichter und Politiker unmittelbar zu erleben und kennen zu lernen. Prominentester Politiker unter ihnen war sicherlich Dr. Bruno Kreisky, der als Staatssekretär im österreichischen Außenamt 1958 an einem Symposion teilnahm. Die Angebote der Meraner Hochschulwochen wurden jahrelang von den Studenten gerne genutzt, bis ab Mitte der Sechzigerjahre jener Geist sich auch in der Südtiroler Studentenschaft breit machte, den man als den „Geist von 68“ kennt. Es kam zu Konflikten, da die Studenten mehr Mitbestimmung bei der Auswahl der Referenten und Themen und mehr Diskussionsmöglichkeiten forderten. Hier prallten die Vorstellungen der neuen Generation mit jenen der veranstaltenden älteren Generation gelegentlich hart aufeinander. Die Folge war, dass die Meraner Hochschulwochen Ende der Sechzigerjahre eingestellt wurden.

Im Jahre 1960 wurde vom Kulturwerk für Südtirol in München der „Walther-von-der-Vogelweide-Preis“ zur Anerkennung wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen gestiftet. Dem Kulturinstitut obliegt seitdem die Aufgabe, Vorschläge für die Auswahl der Preisträger zu unterbreiten. Acht Jahre später wurde auch erstmals der Walther-von-der-Vogelweide-Förderpreis an jüngere Talente verliehen.

Im Laufe der Jahre wuchs das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Bibliothek. Als Grundstock hiefür diente die von Dr. Friedrich Teßmann angelegte Sammlung von Tirolensien. Teßmann hatte seine Privatbibliothek der österreichischen Akademie der Wissenschaften vermacht mit der Auflage, dass die Bücher in Südtirol verbleiben sollten. Das Südtiroler Kulturinstitut übernahm ihre Betreuung und baute daneben allmählich eine Studienbibliothek auf mit Büchern, die über den Tiroler Raum hinausreichten. Im Jahre 1982 wurde von der Südtiroler Landesverwaltung die Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann gegründet, die den gesamten Buchbestand übernahm und seitdem ständig erweitert wird. Heute ist die Landesbibliothek mit eigener Rechtspersönlichkeit die bedeutendste Studienbücherei des Landes.

Ebenfalls zu dieser Zeit begann man – in Zusammenarbeit mit dem Amt für Bibliothekswesen – ein Projekt zur Leseförderung aufzubauen. Namhafte Autoren, vorwiegend bekannter Kinder- und Jugendliteratur, konnten in zahlreichen Lesungen begrüßt werden. Die Begegnungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus Österreich, Deutschland und der Schweiz fanden von allem Anfang an in Schulen, aber auch in Bibliotheken statt. Diese Initiative war auch der Grundstein für das Jugend- und Kinderbuchzentrum (kurz JuKiBuZ), das sich seit 1999 mit großem Erfolg der Leseförderung widmet.

Besondere Bedeutung in der Geschichte des Südtiroler Kulturinstituts kam auch der Ausrichtung der „Österreichischen Buchausstellung“ zu, die man bereits 1955 zum ersten Mal veranstaltete. Bis auf eine kurze Unterbrechung wird sie bis heute alljährlich im Frühjahr eines jeden Jahres im oberen Foyer des Waltherhauses gezeigt. Diese Ausstellung verfolgt das Ziel, einen Überblick über die Neuerscheinungen in österreichischen Buchverlagen zu geben; die einzelnen Bücher werden übrigens vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Wien angekauft; im Anschluss an die Ausstellung werden die Bestände dann an Bibliotheken und kulturelle Institutionen verteilt.

Auch die Abwicklung der Hochschulfürsorge wurde lange Zeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kulturinstituts bewerkstelligt: Unzählige Gesuche wurden behandelt, in Kommissionen geprüft. Nach Übernahme der Tätigkeit durch die Südtiroler Landesverwaltung wurde noch für geraume Zeit die Vermittlung der Ansuchen um Stipendien für Mittel- und Oberschüler geleistet.

Unterstützt vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur zeigt das Kulturinstitut im Rahmen seiner mittlerweile regen Ausstellungstätigkeit immer auch Werke bekannter Künstler zum Teil zum ersten Mal in Südtirol: Es werden Einzel- und Sammelausstellungen angeboten, aber auch Ausstellungen zu Leben und Werk berühmter Persönlichkeiten gezeigt. In den letzten Jahren z. B. stießen die Ausstellungen über Thomas Bernhard, Stefan Zweig, Hermann Hesse oder Anne Frank auf reges Interesse. Zuspruch erfährt auch die Ausstellung der Siegerblätter des alle zwei Jahre stattfindenden österreichischen Graphikwettbewerbs. Mit großem Erfolg zeigte das Kulturinstitut auch Ausstellungen zum Werk Karl Plattners, Paul Floras, Ernst Nepos sowie unter dem Titel „Von Klimt bis Wotruba“ Meisterwerke aus den Beständen des Innsbrucker Ferdinandeums.

Das Südtiroler Kulturinstitut organisiert aber auch wissenschaftliche Tagungen zu den verschiedensten Themen und auch – bereits seit vierzig Jahren – pädagogische Tagungen für Grundschullehrer, wobei das Hauptanliegen dieser Veranstaltungen Fragen des Deutschunterrichts bilden. Kompetente Referenten vermitteln den Lehrern die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet des Sprachunterrichts. In letzter Zeit wurden auch die Lehrer der Mittelschulen in das Seminarprogramm mit einbezogen.

Im Zuge der Aktion „Europas Jugend lernt Wien kennen“ haben alljährlich Oberschüler die Möglichkeit gegen einen kleinen Selbstkostenbeitrag in der Karwoche nach Wien zu fahren.

Das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur erstellt das Besichtigungsprogramm und übernimmt die Spesen für Unterkunft, Verpflegung sowie Führungsprogramme. Das Kulturinstitut vermittelt aber auch Fahrten in andere österreichische Städte wie z. B. Salzburg und Graz.

Der Verein betreibt auch eine rege Publikationstätigkeit. Diese soll vordringlich der Förderung von Wissenschaft dienen. Zudem soll Forschern die Gelegenheit geboten werden, die Ergebnisse ihrer Arbeiten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine erste Buchreihe trug den Namen „Jahrbücher“; es folgte die sogenannte „Schriftenreihe“, die vordringlich als Forum für Südtiroler Autoren verstanden wurde. Im letzten Jahr schließlich hat das Kulturinstitut eine neue Publikationsreihe ins Leben gerufen: die „Veröffentlichungen des Südtiroler Kulturinstituts“; der erste Band ist der „Fürstenburg“ gewidmet, der zweite dem „Ansitz Rottenbuch in Bozen-Gries“, weitere Bände sollen folgen. Daneben wurden zahlreiche Ausstellungskataloge verlegt. Zudem bemüht sich das Institut, Druckkosten für Werke zu vermitteln, die für die Geschichte und die Kultur Südtirols von Bedeutung sind.

Erst jüngst ist der Verein mit dem Aufbau einer Beobachtungsstelle für die deutsche Sprache (jetzt Sprachstelle) betraut worden. Die Sensibilisierung der Südtiroler Bevölkerung für sprachliche Belange durch Aktionen, Tagungen, Diskussionsforen, Presseaussendungen und Vorträge gehört zu den Hauptaufgaben dieser Stelle. Zudem ist sie Anlaufstelle für Südtiroler bei sprachlichen Fragen aller Art und nimmt somit eine beratende Funktion ein. Die Sprachstelle ist Bindeglied zwischen Sprachwissenschaft und breiter Öffentlichkeit, indem sie ausgewählte Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung einem breiten Publikum nahe bringen will.

Zudem erfreut sich das im Jahre 1999 gegründete JuKiBuZ (Jugend- und Kinderbuchzentrum) stets regen Zuspruchs: Die Stelle ist allen Kindern und Jugendlichen, allen Schulklassen, Eltern, Lehrern, Studenten und Interessierten zugänglich. Im JuKiBuZ kann sich jeder über neuere Kinderliteratur informieren, Beratung für Leseaktionen und Leseförderung holen, Kontakte knüpfen, Leseideen austauschen, Sekundärliteratur und sonstige Materialien und Unterlagen zur Leseförderung vorfinden. Das JuKiBuZ bietet zudem verschiedene Veranstaltungen an: Lesungen, Schreib- und Malwerkstätten für Kinder, Leseclubs, Leseseminare für Kinder, die alljährliche Kinderbuchausstellung und vieles mehr. Im JuKiBuZ entstand auch die Idee, ein Kinderkulturfestival ins Leben zu rufen: Unter dem Titel „kultur.bozen.komm“ haben im Frühjahr 2002 erstmals 16 Kultureinrichtungen der Stadt Bozen insgesamt 40 Veranstaltungen angeboten. Der Erfolg des Festivals war so groß, dass es im März 2004 nicht nur in Bozen, sondern auch in Bruneck zu einer Neuauflage kam.

Seit 2003 wickelt das Institut auch die Tanzkurse im Rahmen des internationalen Festivals „Tanz in Bozen – Bolzano danza“ organisatorisch ab: Das Angebot reicht vom klassischen Ballett über Hip Hop bis hin zum Volkstanz.

Zudem hat der Verein in den letzten Jahren vermehrt den Kulturservice-Gedanken in den Vordergrund gestellt. In Zusammenarbeit mit Partnern aus der privaten Wirtschaft können ganze Veranstaltungsreihen wie die Konzertreihe „Runkelsteiner Klangfeste“, die alljährlich im Sommer im Burghof von Schloss Runkelstein stattfindet, und auch die Reihe „Autorenbegegnungen der besonderen Art“ veranstaltet werden. Seit 2002 bietet das Kulturinstitut außerdem besondere Veranstaltungsabende mit Theaterpersönlichkeiten an: Die Begegnungen mit Klaus Maria Brandauer, Otto Schenk, Klaus Bachler, Iris Berben, Senta Berger, Claus Peymann, Hermann Beil, Tobias Moretti, Gert Voss und Fritz Muliar zählten dabei zu den Höhepunkten.