Tessa Ensler ist eine knallharte Strafverteidigerin. Mit Anfang dreißig hat sie es aus einfachem Milieu an die Elite-Uni und dann in die Topkanzlei geschafft. Ihre Königsdisziplin ist die Verteidigung in Fällen sexueller Übergriffe. Ist ihre Freispruchrate so hoch, weil sie eine Frau ist? Oder weil sie so gut Widersprüche in den Aussagen der weiblichen Opfer aufspürt?
Tessa ist jedenfalls stolz, dass sie ihr Gegenüber im Zeugenstand nicht quält. Und sie glaubt an das Rechtssystem, das im Zweifel zugunsten der Angeklagten entscheidet. Doch dann wird sie selbst vergewaltigt. Der Täter ist ihr Kollege Julian, mit dem sie eine Affäre, vielleicht auch eine beginnende Liebe verbunden hat.
Als sie Anzeige erstattet, ist ihr klar, dass die Anscheins- oder Prima-facie-Beweise nicht für sie sprechen: Neben ihrer anfänglichen Anziehung war auch viel Wein im Spiel. Aber es geht nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um ein von Männern geschaffenes Justizsystem, an das sie ihr Leben lang geglaubt hat.
Suzie Miller, einst selbst Strafverteidigerin, hat mit „Prima Facie“ ein mehrfach preisgekröntes Solo-Stück geschrieben. Für ihre Darstellung der Tessa Ensler erhielt Lea Ruckpaul 2025 den Therese-Giehse-Theaterpreis.



