Die wissenschaftliche Tagung will grundlegende Aspekte städtischer Entwicklung in der späten Habsburgermonarchie bis in die frühen 1920er-Jahre im Spannungsfeld von Wandel, Brüchen und Kontinuitäten ansprechen. Dafür werden vier Themenfelder zur historischen Stadtforschung ins Blickfeld gerückt: Moderne Stadt als Verdichtung der Gesellschaft, Errungene Autonomie als Möglichkeitsraum (Wandel), Gefährdete Autonomie (Systembruch) und Persistente Autonomie (Kontinuitäten). Das ermöglicht einen größeren Rahmen für die kritische Kontextualisierung Bozens und seines letzten gewählten deutschsprachigen Bürgermeisters – Julius Perathoner. Sein politisches Schaffen und Werk hat Bozen auf dem Weg in die Moderne geprägt. Ihm ist zum 100. Todesjahr diese Veranstaltung gewidmet!

Tagung
01.10.2026 bis 03.10.2026
Wege in die Moderne
Städte der späten Habsburgermonarchie im Spannungsfeld von Wandel, Brüchen & Kontinuitäten
Dauer: 01.-03.10.2026
Preis: Eintritt frei
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In Erinnerung an Julius Perathoner (1849–1926), Bürgermeister von Bozen
Als Julius Perathoner Anfang Oktober 1922 von Faschisten, kurz bevor diese in Italien die Macht endgültig an sich reißen sollten, zum Rückzug aus dem Amt gezwungen wurde, konnte er auf drei Jahrzehnte intensiver politischer Tätigkeit zurückblicken. Als Mitglied der deutschfreiheitlichen Partei war er 1892 zum Stadtrat berufen worden. Nur drei Jahre später bekleidete Perathoner bereits das Amt des Bürgermeisters. Nach der Revolution von 1848 hatte der zum österreichischen Kronland Tirol-Vorarlberg gehörende zentrale Ort am Zusammenfluss von Talfer und Eisack kaum 8.000 Einwohner aufzuweisen. Die letzte Volkszählung der Habsburgermonarchie 1910 kam hingegen bereits auf knapp 15.000 (inkl. Zwölfmalgreien de facto 24.000). Obwohl Bozen zu den kleineren Zentren der Monarchie zählte, hatte die Stadt – nicht zuletzt dank der Initiativen Perathoners – während der Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg einen bemerkenswerten Weg der Modernisierung eingeschlagen. Parallel dazu schuf sich das Bürgertum, nicht nur in Bozen, sondern in der gesamten Habsburgermonarchie öffentlichen Raum und erlangte zunehmend politisches Gewicht. Es hatte sichtbar und bleibend begonnen, sich in den städtischen Raum mit eigenen Vorstellungen einzuschreiben.
Der Große Krieg stellte Bozen vor ungeahnte Herausforderungen. Das Kriegsende und die darauffolgenden Jahre lösten mit den Pariser Friedensverträgen indes nicht nur eine staatliche Neuausrichtung nach Italien – nach Rom – aus, sondern leiteten weithin ebenso einen grundlegenden Bruch bisheriger gesellschaftlicher Orientierungen ein. Mit der Abtrennung der südlichen Landesteile Alttirols hatte Bozen seine bisherige politische Zugehörigkeit aufgeben müssen. Die vorwiegend deutsch geprägte Stadt und ihre Bevölkerung fand sich jetzt in der Situation einer sprachlichen wie kulturellen Minderheit wieder, die durch Radikalisierung der italienischen Politik zunehmend unter Druck geriet und erst lernen musste, sich dennoch zu behaupten.
Termin 1. bis 3. Oktober 2026
Ort Bozen, Altes Rathaus, Lauben 30
Veranstalter: Südtiroler Kulturinstitut, Universität Innsbruck
Tagungsleiter: Univ.-Prof. Dr. Kurt Scharr (Innsbruck)
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Anmeldung erforderlich: landesinstitut@kulturinstitut.org, Tel. +39 0471 313800 (es sind max. 50 Personen zugelassen), es wird kein Übersetzungsdienst angeboten.

